10 Jahre Polizei-Zusammenarbeit gebührend gefeiert

Einen ganz leben­diger Kuschel-Lesefuchs trat zum Schluss bei dem Empfang auf, stürmisch umringt von den Kindern. Foto: Josef Stöger

Ein wirklich würdiger Abschluss. Im Rapportsaal des Polizei­prä­si­diums erklangen helle Kinder­stimmen und sagen zur Gitar­ren­be­gleitung ihrer Lehrerin Elisabeth Geißner-Aschermayr von Kindern und Chinesen, die lernen alle lesen. Auf den achtzig Plätzen lauschten verzückt Polizis­tinnen und Polizisten, Vorleser und Vorle­se­rinnen der Lesefüchse, Stadt­po­li­tiker, Vereins­vor­stände und andere Personen, die beim zehnjäh­rigen Jubiläum „Polizei­beamte lesen vor“ unbedingt mit dabei sein wollte. Sogar der ehemalige Hamburger Polizei­prä­sident Arved Semerak war in die Ettstraße gekommen. Es hat sich gelohnt.

Gefeiert wurde die Zusam­men­arbeit der Lesefüchse mit der Polizei, die gemeinsam im Jahr 2007 den Preis „Deutschland Land der Ideen“ erhalten hatten. Im Sommer war zu diesem Anlass auf dem Gelände der Bereit­schafts­po­lizei ein formi­dables Lesefest über die Bühne gegangen. Im Münchner Polizei­prä­sidium ging es nun darum, die vergangene Zeit Revue passieren zu lassen. Prof. Dr. Elke Inckemann kam die Schlüs­sel­rolle zu.

Viele Köche verderben den Brei nicht, will heißen: Wenn viele verschiedene Personen unter­schied­liche Geschichten vorlesen, so Prof. Elke Inckemann, ist es für die Kinder am besten.

Die Univer­si­täts­pro­fes­sorin der LMU hatte wissen­schaftlich die Wirkung der Lesefüchse unter­sucht. Ihr Fazit: Unbedingt weiter­machen! Das Vorlesen sei für die heran­wach­senden Kinder ein äußerst wichtige Zuwendung und die „effek­tivste Sprach­er­werbs­si­tuation“ überhaupt. Es sei „die einfachste Methode, den schuli­schen Leseerfolg zu sichern“. Inckemann hat bei ihrer mehrere Jahre dauernden inten­siven Beobachtung festge­stellt, dass sich die Sprach­fä­hig­keiten der Kinder konti­nu­ierlich verbessert. Insbe­sondere in der Gruppe der Kinder mit sehr schlechtem Sprach­ver­mögen (darin hatten fast alle einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund), hatten vier Jahre später fast alle ein durch­schnitt­liches Lesever­ständnis. Das ist zwar wahrscheinlich nicht nur den Lesefüchsen zu verdanken, aber einen wichtigen Beitrag dazu haben sie geleistet.

„Für einen Außen­ste­henden ist es auf Anhieb gar nicht so leicht zu erkennen, warum sich die Münchner Polizei in diesem Bereich engagiert“, überlegte Polizei­prä­sident Hubertus Andrä laut. Und er gab bei seiner Begrüßung gleich die Antwort: „Das Vorlesen ist eine gute Möglichkeit, erstes Vertrauen zu den Kindern aufzu­bauen und damit ist eben ein wichtiger Baustein in unserer Präven­ti­ons­arbeit.“ Für die Polizisten, die mit den Lesefüchsen in die Schulen kommen, bietet sich zugleich die Möglichkeit, mit den Kindern über richtiges Verhalten bei Strei­tig­keiten, über die Gefähr­lichkeit von Mutproben oder den Umgang mit guten und mit falschen Freunden zu sprechen. „Unser Ziel ist es, vorhandene Berüh­rungs­ängste abzubauen“, formu­lierte es Polizei­oberrat Peter Gloël. Der Leiter der Laimer Inspektion ist seit zwei Jahren die feder­füh­rende Kraft bei der Münchner Polizei in Sachen Lesefüchse. Der Schlüssel, im Leben den eigenen Weg erfolg­reich zu gehen, so Gloël, sei „die Fähigkeit zu lesen und das Gelesene zu verstehen.“ Und daher wolle er allen danken, die so viel Zeit in diesem Projekt einsetzen. Künftig werden sie dazu die Unter­stützung durch einen beson­deren Kollegen erhalten: Nach dem letzten Ton des abschlie­ßenden Musik­stücks, als alle Besucher schon zum Ausgang streben wollten, kam ihnen ein Fuchs entgegen. Mit rostrotem Fell und weißem Bauch, spitezn Ohren und großen Augen. So groß, dass er die Kinder alle noch ein kleines Stück überragte.

Hans Wanger, Vorsit­zender der Lesefüchse, erinnerte an die Vereins­grün­derin Helga Wolf. Sie wollte Polizei­beamte nicht als Autori­täts­per­sonen, sondern als Geschich­ten­er­zähler erleben. Das Vertrauen der Kinder zur Polizei wollte sie fördern und die Kinder ermuntern, sich bei Problemen an Kontakt­beamte ihres Stadt­teils zu wenden. Im März 2007 wurden an 33 Orten unter großer Medien­be­ob­achtung das erste Mal von fast 90 unifor­mierten Beamten vorge­lesen. Alle Betei­ligten waren so begeistert, dass daraus die dauer­hafte Koope­ration Lesefüchse und Polizei wurde. In den Folge­jahren erhielten wir weitere Auszeich­nungen: Münchner Licht­blicke 2007” sowie “Aktiv für Demokratie und Toleranz” in 2008. Er freue sich bereits auf das nächste gemeinsame Jubiläum im Jahr 2027, schmun­zelte Wanger.

Rektorin Marion Dieck berichtet in persön­lichen Worten aus ihrer Grund­schule an der Impler­straße, eine Schule bei der die Lesefüchse seit vielen Jahren ein und ausgehen und die auch von Anfang an mit bei der Aktion mit der Münchner Polizei mit dabei war.

Das Münchner Sicher­heits­forum, das die gemeinsame Vorle­se­arbeit schon länger beobachtet, nahm den Empfang zum Anlass, den Lesefüchsen einen Scheck mit einer Spende über 1.000 Euro zu überreichen. Zwei kurze Filme zeigten den Besuchern des Empfangs, einer­seits wie so eine Lesestunde mit der Polizei abläuft. Lesefuchs Peter Schön­wälder war bei einem Termin in der Impler­schule mit dabei und inter­viewte Lehrer, Polizis­tinnen und Schüler. Und vom Lesefest bei der Bereit­schafts­po­lizei wurde von Polizei­kol­legen ein Film gezeigt, der sehr schön die Auftritte der Hunde­staffel, der berit­tenen Polizei zeigte, die Fotosession für alle auf dem Polizei­mo­torrad sowie den berühmten Polizeikasper.

Ob die Lesung mit den Polizei­baemten gefallen hat? Klar doch. Komische Frage.

Die Kinder aus dem Chor kamen aus der Grund­schule am Scherer­platz. Weitere „Kinder-Abord­nungen“ kamen aus der Impler­straße sowie den Schulen am Scherer­platz und Theodor-Heuss-Platz. Alle hatten in der Vergan­genheit lesenden Polizisten bei sich in der Schule erlebt. Was lag also näher, als dass Michaela Hanauer-Dietmaier mit dem Mikro herumging und bei den Kleinen mal nachfragte, wie ihnen das gefallen hatte. Toll, klar, das meinten alle. Könnten öfter wieder­kommen. War sehr spannend. Auch das sie alle in die Polizei­autos durften. Und Vorlesen sei überhaut gut. Auch wenn sie selber viel und oft lesen, vom Vorlesen kann man nie genug bekommen.

(hpm)