Die Welt der Märchen begeisterte die Lesefüchse!

Foto: Silvia Hog
Sind Volksmärchen wie „Hänsel und Gretel“ oder „Rotkäppchen“ noch zeitgemäß? Dieser Frage gingen im August 2026 Lesefüchse beim Themenabend “Märchen” zusammen mit einer Expertin nach. Im Kindermuseum München erzählte zunächst Ingrid Plank ihren eigenen Weg zur Märchenerzählerin, der mit selbst erfundenen Geschichten für ihre Tochter begann und schließlich nach einer Ausbildung zur Märchenerzählerin zu Auftritten in Schulen und Kindergärten führte.
Besonders berührend für die Vorleser*innen des Vereins war die Erkenntnis, dass Märchen weit mehr sind als alte Geschichten. „Das Märchen ist der große Bruder des Traums“, sagte Plank. Mit ihren Bildern und Symbolen sprechen Märchen unser Unterbewusstsein an und begleiten Kinder aber auch Erwachsene durch die Herausforderungen des Lebens.
Kraftvolle und zeitlose Symbolwelten
Plank machte anhand von Volksmärchen deutlich, wie zeitlos ihre Botschaften sind. Zum Beispiel spielt der Wald eine zentrale symbolische Rolle und ist damit mehr als nur ein Schauplatz. Er steht unter anderem für das Ungewisse und Unbekannte. „Wer den Wald betritt, verlässt die vertraute Welt und begibt sich auf einen Weg voller Herausforderungen“, erläuterte die Märchenerzählerin.
Als Hänsel und Gretel in den Wald gehen, müssen sie lernen, mit Angst, Hunger und Gefahr umzugehen. Für Kinder ist diese Bildsprache besonders bedeutsam, denn Ängste und Unsicherheiten, die sie kennen, werden im Märchen sichtbar und greifbar. Weil die Helden ihre Prüfungen aber bestehen, vermitteln ihre Geschichten Zuversicht und Resilienz. „Märchen sind Seelennahrung“, unterstreicht Ingrid Plank die Erkenntnisse der Hirnforschung.

Foto: Silvia Hog
Die Expertin ging auf noch weitere Beispiele ein. Sie zeigten, dass Märchen durchaus zeitgemäß sind und trotz der darin vorkommenden „Grausamkeiten“ vorgelesen werden können. Bei einigen Teilnehmenden kam Unbehagen auf. „Ich kann die grausamen Stellen nicht vorlesen“, sagte eine Vorleserin. In diesem Fall sei es besser ein anderes Märchen zu wählen. Generell sei es gut, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Da Kinder Rituale brauchen, schlägt Plank einige vor: „Etwa ein fester Spruch, ein Glockenschlag oder Öl auf den Händen der Kinder verreiben“.
Moderne Märchen sind bei den Lesefüchsen beliebt

Foto: Silvia Hog
Die von Teilnehmenden vorgeschlagenen Bücher waren in der Mehrzahl moderne Märchen, deren Figuren und Handlungen an die alten Volksmärchen erinnerten. Was zur Belustigung führte. Können die heutigen Kinder und zudem Kinder aus nichtdeutschen Herkunftsländern diese Verbindungen ziehen, wenn sie die alten Volksmärchen gar nicht kennen? Ein letztes vorgestelltes Buch zeigte deutlich: Diese Märchen können auch für sich stehen. Urteilen Sie selbst – hier finden Sie die vorgeschlagenen Märchen.
Es war ein inspirierender Abend, der zeigte, dass Märchen auch heute nichts von ihrer Kraft verloren haben und Jung wie Alt auf eine ganz besondere Reise mitnehmen können. Insofern das Resümee: Märchen und auch die alten Volksmärchen sind zeitgemäß.