Die Ungeduld des Gänseblümchens

Vorlesen bei der “Blütenlust” im Botani­schen Garten

“Schau her, wie viele Höcker hat das Kamel?” Michaela Hanauer liest auf dem Kultur­wo­chenende “BlütenLust” Botani­schen Garten München.

Alberto war anders. Irgendwie. Er selber fand aber, dass er ein ganz normales Kamel sei, so wie die andern. Nur dass die sich von ihm abwandten und auslachten, das war doch irgendwie sonderbar. Und so begibt er sich mit Hilfe von Michaela Hanauer auf die Suche nach dem Grund dafür. Sieben Kinder lauschten am Samstag gebannt der Geschichte, die ihnen die Lesefüchsin zum Kultur­wo­chenende “Blütenlust” im Botani­schen Garten mitge­bracht hatte. Im Mexikohaus, dem Gewächshaus für wunder­schön blühende Kakteen, hatten es sich Kinder und Eltern gemütlich gemacht. In sicherem Abstand zu den stache­ligen Bewohnern. Heiß war es, wie es sich für Mittel­amerika gehört, aber das passte nun einmal hervor­ragend zu der Wüsten­ge­schichte. Die Kamel­ge­sell­schaft beruhigte sich erst wieder, als alle feststellten, dass jedes Tier irgendwie anders ist. Kamel sind sie alle, ja, aber das eine hatte nur ein Höcker, das nächste längere Beine oder es war im Gegenteil, kleiner als die anderen. Und trotzdem alles Kamele.

Vorlesen unter Bambuslaub

Vorlesen im Botanischen Garten München
Da wird die Geschichte vom kleinen Gärtner gleich ganz und gar real. Christel Günther liest im Bambus­la­by­rinth. Fotos: hpm/Lesefüchse

Die nächste Möglichkeit, Geschichten zu hören, gab es eineinhalb Stunden später im Bambus­la­by­rinth des Botani­schen Gartens. Unter dem Schatten der hohen Pflanzen las Christel Günther die Geschichte vom Gänse­blümchen, dass unbedingt in einem anderen Garten bei anderen Blumen stehen will. Ihr Gärtner, der sich immer liebevoll um alle seine Gewächse kümmert, kann ihm den Wunsch nicht abschlagen und pflanzt es heimlich im Nachbar­garten ein. Aber der dortige Besitzer will das “Unkraut” nicht, reißt es heraus und wirft es auf seinen Kompost. Wie es von dort wieder gerettet wurde, da fieberten über ein Dutzend Kinder und ihre Eltern mit.

Am folgenden Sonntag kamen die Lesefüch­sinnen Helga Wilde und Christa Knott in den Park in Nymphenburg. “Ich glaub, da waren mehr Eltern als Kinder dabei und alle haben gespannt zugehört”, erzählt Helga Wilde. Bei ihr gab es zusätzlich noch die Geschichten von der Suche nach der Funkel­blume und von einem Panda­bären zu hören. Und auch die von Alberto, dem Kamel mit den drei Höckern.

(hpm)