Weihnachtsfeier der Lesefüchse

Alles war so wie immer und doch war alles anders. Das Weihnachtsfest der Lesefüchse fand, wie schon in den vergangenen Jahren im Pfarrsaal der Sendlinger Kirche St. Stephan statt. Am Nachmittag traf sich ein Trupp aktiver Mitglieder zum Aufbau, Tische und Stühle ordentlich aufzustellen und zu dekorieren. Ab siebzehn Uhr wurde ein Glühwein heiß gemacht und zum Empfang an der Tür aufgestellt. Ab halb sechs Uhr füllten sich kontinuierlich der Saal und der freie Platz auf dem langen Buffet-Tisch nahm immer mehr ab. Auf der Bühne gab es Ehrungen langjähriger Mitglieder. Die Vorsitzende blickt in ihrer Rede auf das vergangene Jahr. Man stillte seinen Appetit, trank ein paar Schlückchen, knabberte an den bereitgestellten Platzerln, unterhielt sich angeregt mit den Tischnachbarn und wünschte sich eine fröhliche Weihnachtszeit.
Das alles war eigentlich wie immer. Aber das war eben längst noch nicht alles. Auch in Sendling hat sich die Welt ein kleines Stück weiter gedreht und einiges war anders als sonst. Das begann mit der Einladung, die allen Mitgliedern schön gestaltet mit unserer neuen Rundbrief-Bürosoftware per Mail zugesandt wurde. Eine elektronische Anfrage, zuklickbar, nach Mithilfe und Mitwirkung, die hatten wir bereits im vergangenen Jahr. Aber diesmal hatten sich fast die Hälfte der angemeldeten über einhundert Mitglieder zugleich auch zum Anpacken eingetragen. Aufbau‑, Abbau und Hilfe während der Veranstaltung wurden angeboten oder es wurden Plätzchen und Lebkuchen mitgebracht.
Würstchen und Forellenmus
Die Grundlage der kulinarischen Versorgung hatte Stefan Inderst übernommen. Ihm waren die Fleischpflanzl, Brotaufstriche und Baguette zu verdanken. Heiße Würste zu Kartoffelsalat gab es außerdem genauso wie Käseplatte oder edlen Forellenmus von Anita Werner. Auch Christel Günther, Birgitt Grümmer, und Anke Nienhoff hatten sich zuvor daheim für die Feier an den Herd gestellt.
Für Carmen Deiseroth war es ihr erstes Weihnachtsfest in der Funktion als Vorsitzende. „Wie macht man das heute“, fragte sie von der Bühne, weihnachtlich in rot und weiß gewandet, und gab sich gleich selbst die Antwort: “Man fragt die KI.“ Die künstliche Intelligenz erwies sich aber auch nicht besser als ihre eigenen Ideen. Und so blickte sie höchst eigenständig zurück auf das Jahr 2025 und nutzte die Gelegenheit, sich ausführlich bei allen aktiven Mitgliedern zu bedanken, die sich im Laufe des Jahres für die Lesefüchse engagiert hatten. Die Akteure einzelner Projekte genauso wie die bewährte Besetzung der Geschäftsstelle, auch alle dort gelegentlich helfende Hände inbegriffen.
Sie fand ein paar Worte zur finanziellen Situation der Lesefüchse, die sich durch die wirtschaftliche Lage der Landeshauptstadt München nicht verbessert hat. „Das klingt da alles nicht nach Glühwein, Lebkuchen und Plätzchen, sondern eher nach trockenem Brot und Klinkenputzen.“ Das hätte ChatGPT auch nicht besser formulieren können.
Ehrungen für Lesefüchse

Ihrer Rede folgten dann die Ehrungen für Biche Fischer, die fünfzehn Jahre in der Implerschule und fünf in der Sinaischule gelesen hat. Und auch Waltraud Stocker wurde ausgezeichnet, die seit 20 Jahren Teamleiterin in der Schwanthaler Schule ist. Für zehn Jahre Vorlesen wurden weitere acht Personen mit einer Urkunde geehrt.
Dann wurde es spannend, denn Michael Hanauer verteilte Bögen mit verzwickten Rätselfragen. Wer am Tisch beisammen saß bildete eine Mannschaft und es wurde breites Wissen abgefragt, vom Namen einer Apfelsorte bis hin zu neuen Fußgängerampeln im Stadtteil Lehel. Da half auch keine KI, denn Handynutzung war nicht gestattet. Eigener Hirnschmalz war Trumpf und deswegen hat wohl auch die Gruppe „Die Gscheidhaferl“ gewonnen. Mit einem entscheidenen Punkt Vorsprung.
Und dann kam ein weiteres, völlig neues Element einer Lesefuchs-Weihnachtsfeier: Die Vorsitzende Carmen Deiseroth, die wenige Stunden vorher noch im Flugzeug auf dem Weg zwischen USA und Bayern gesessen war, griff zu ihrem Akkordeon und intonierte, auf der Flöte begleitet von Rose Bihler Shah, bewährte Weihnachtslieder. Bei „Alle Jahre wieder“ sang dann der ganze Saal kräftig mit. Live, selber und ohne KI.
(hpm)


