Sabber Schlabber Kussi Bussi

Details

Autor: Anita Lehmann

Illustrator: Kasia Fryza

Verlag: Helvetiq Verlag 2019

ISBN: 9782940481750

empfohlen von: Christine Ackermann

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Mit den abstrakten Begriffen Nähe und Distanz können kleine Kinder noch nichts anfangen. Aber sie nehmen instinktiv wahr, was sie mögen und was nicht. Und genau um dieses Thema geht es in dem witzigen Bilderbuch „Sabber Schlabber Kussi Bussi“.

Emma mag es, wenn ihre Mama und ihr Papa sie umarmen, weil sie sich da wohl und heimisch fühlt. Kommen aber die Tante und der Onkel zu Besuch und wollen sie küssen und umarmen, fühlt sich das nicht schön an. Es kratzt an der Wange, oder der Besuch riecht komisch. Es ist auf alle Fälle unangenehm!

Papa bringt die Rettung: Titan, ein riesiger Hund, der nichts lieber mag als schlabbern und sabbern. Und so schlägt er jeden Besucher in die Flucht, der ein Küsschen von Emma möchte, weil der Hund ja unbedingt kuscheln will. Emma ist glücklich. Weil sie wahnsinnig gerne mit Titan kuschelt. Und weil die Erwach­senen vor ihrem Hund Respekt haben.

 

Mit poppigen Farben und comic-haften Bildern geht Illus­tra­torin Kasia Fryza (die Website der  Warschauer Künst­lerin ist sehr spannend!) dem Thema auf den Grund: Arme der Besucher und die Zunge von Titan sind übergroß, dazwi­schen die kleine Emma, die sich dank des Hundes behauptet.

Emmas Gefühle beschreibt Anita Lehmann einfühlsam und für Kinder verständlich, indem sie Vergleiche mit Tieren wählt. Genauso könnte sich ein kleines Mädchen fühlen, wenn ihre Wange von einem kratzigen Bart berührt wird. Ihre wider­sprüch­lichen Empfin­dungen werden durch den Hund aufgelöst. Sie versteht, dass jeder nicht von jedem umarmt oder abgeschlabbert werden möchte. Mit dem Hund hat sie eine Hilfe gefunden, mit dieser ungewollten Nähe umzugehen.

 

Das Bilderbuch eignet sich hervor­ragend, auf spiele­rische Weise das Thema Gefühle, Nähe und Distanz mit kleinen Kindern ab vier Jahren zu besprechen. Was finde ich schön? Was mag ich nicht? Warum mag ich es nicht?

Etwas bedau­erlich finde ich, dass kein Weg aufge­zeigt wird, wie Emma selbst aus dem Dilemma heraus­kommen kann. Sie sagt in diesem Buch nicht „Nein“. Aber genau das sollte der Vorle­sende mit dem Kind besprechen, nämlich: Es ist richtig und wichtig, NEIN zu sagen, wenn man etwas nicht will oder nicht schön findet. Trotzdem: Ein lustiges, poppiges Bilderbuch zu einem ganz wichtigen Thema!