
Details
Autor: Markus Rottmann
Illustrator: Michael Meister
Verlag: Helvetiq 2023
ISBN: 978–3‑907293–94‑2
empfohlen von: Christine Koch
in der Stadtbibliothek: Allach-Untermenzing, Bogenhausen, Giesing, Laim, Maxvorstadt, Milbertshofen, Neuhausen, Pasing, Sendling, Kinder- und Jugendbibliothek im Motorama
zu finden im Interessenkreis: Kinder / Berufe Handwerk
unter der Signatur: Nla 24 /ROT
Mit diesem Kindersachbuch hat sich meine Tochter sehr lange immer wieder beschäftigt. Es begeisterte sie von der zweiten bis zur vierten Klasse.
Habt ihr schon mal von dem Schwammtaucher gehört? Das ist ein sehr alter Beruf. Die ersten Schwammtaucher gab es 4.500 v. Chr. Seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es diesen Beruf nicht mehr. Schwammtaucher waren junge Männer, die mit einem Stein beschwert bis zu 30 Meter ins Wasser tauchten, um natürliche Schwämme zu ernten. Diese wurden dann getrocknet, geputzt und zurechtgeschnitten, um sie dann zu verkaufen. Verwendet wurden sie für Körperpflege und zur Reinigung von Gegenständen, zum Verstopfen von Flaschen oder zur Polsterung. Seit man künstliche Schwämme kauft, gibt es die Taucher nurmehr als Touristenattraktion.
Mit dem “Schwammtaucher” steigen wir ins Buch ein. Großflächige Illustrationen zeigen uns die Menschen und die Tätigkeit, die sie ausüben. Weiter geht es mit „Gladiator“, „Amme“, „Wanderprediger“, „Klageweib“ und „Scharfrichter“, um einige der vergangenen Berufe zu nennen. Vom „Bänkelsänger“ haben die Kinder sicherlich noch nie gehört.
Um eine Übersicht über die zahlreichen Arbeitstätigkeiten zu erhalten, hat der Autor die Berufe kategorisiert: in Drecksberufe, wie den „Abtrittanbieter“, den „Rattenfänger“; in klassische Dienstberufe wie den „Sesselträger“ oder den „Dienstboten“. Aber wusstest Du, dass es auch den „Kunstfurzer“ oder den „Claqueur“ gab? Verbotene Berufe gab es ebenfalls, unter anderem „Söldner“, „Schwarzbrenner“ und „Leichenräuber“.
Eine Doppelseite widmet sich den Kinderberufen. Gegen Ende des Buches finden wir noch den Beruf des „Vorlesers“. Von zirka 1880 bis 1931 gab es Vorleser in Fabriken, die aus einem Buch oder einer Zeitung vorlasen. So war die eintönige Arbeit besser auszuhalten. In andere Form gibt es bis heute Vorleser. In Grundschulen und Stadtbibliotheken in München beispielsweise. Und es wird nach wie vor bei religiösen Zusammenkünften für Jung und Alt vorgelesen.
Die 89 Berufe werden auf Doppelseiten ausführlich vorgestellt. Daneben erfahren wir, was überhaupt ein Beruf ist. Auf einer Doppelseite lesen wir nach, wie sich die Berufe im Laufe der Jahrtausende entwickelt und verändert haben. Und auf der letzten Seite werden aktuelle Berufe vorgestellt, die womöglich demnächst vom Aussterben bedroht sind.
Im Inneneinband vorne sehen wir alle vorgestellten Arbeiterinnen und Arbeiter in ihrer Berufskleidung. Im Inneneinband hinten gibt es die dazugehörenden Instrumentarien mit passenden Fragen. Daraus kann man ein schönes Ratespiel machen: „Wer rannte von Kanone zu Kanone?“ – Der „Pulveraffe“.
Ein erkenntnisreiches, spannendes und für Kinder textlich anschaulich aufbereitetes Sachbuch zum häppchenweise oder stundenlang Schmökern. Sehr empfehlenswertes Familienbuch für Groß und Klein, denn auch die Erwachsenen haben ihren Spaß dabei! Meines Erachtens kann man damit auch schon in der zweiten Klasse arbeiten. Auszeichnung: EMYS Sachbuchpreisträger 2023