Hör auf zu lesen!

Details

Autor: Claire Gratias

Illustrator: Sylvie Serprix

Verlag: Anaconda Verlag 2020

ISBN: 978-3-7306-0902-6

empfohlen von: Christel Günther

in der Stadtbibliothek: Kinder- und Jugendbibliothek am Gasteig

zu finden im Interessenkreis: Bilderbuch / Vorschule

unter der Signatur: b SPE

Jedes Mal, wenn Horatio gefragt wurde: „Und du, Kleiner, was willst Du später einmal werden?“ Dann antwortet er: „Ich werde Leseratte!“ Seine Mutter verdrehte dann die Augen, denn sie hatte sich so sehr eine Tochter gewünscht, aus der sie eine Tänzerin hätte machen können, aber das hatte sich erledigt. Der Vater seiner­seits rümpfte die Nase, legte die Stirn in Falten und seufzte: „Hoffen wir, dass das vorübergeht!“

Horatio verstand das alles ganz und gar nicht. „Leseratte ist doch auf jeden Fall besser, als Kanal­ratte oder Labor­ratte zu werden!“, erwiderte er mit einem Schul­ter­zucken. Und auf der Stelle fing er wieder an zu lesen. Er las überall: beim Frühstück, beim Zähne­putzen, in der Badewanne, im Aufzug, stehend, sitzend, liegend und sogar beim Radfahren! Er schlief niemals ein, ohne nicht mindestens im Bett eine Stunde gelesen zu haben.

Seine Eltern fanden das wirklich sehr beunru­higend und bezeich­neten das Lesen wie einen Virus oder eine Krankheit, sie meinten, er würde blind und taub. Aber das glaubte Horatio nicht. Denn sobald er sich in ein Buch vertiefte, sah er eine wunderbare Vielfalt von Landschaften, Lebewesen, Dingen und Farben und hörte eine Vielfalt von Tönen, Musik und Stimmen (erinnert mich an wenig an „Frederick“).

Und als dann das Entsetz­liche geschah, dass die Lehrerin Horatio ins Zeugnis schrieb, dass er zwar ein folgsamer Schüler sei, aber leider viel zu verträumt (denn er las sogar in der Schule), reichte es seinem Vater. Er verbot Horatio das Lesen und verbrannte alle Bücher. Von nun an war Horatios Welt nur noch grau, und er litt fürch­terlich. Denn ein Leben ohne Bücher konnte er sich nicht vorstellen.

Er beschloss, seinen Eltern die Freude an Büchern und am Lesen nahezu­bringen, und ersann einen Plan, den ich hier aber nicht verraten möchte.  Denn die Geschichte ist unglaublich spannend, und die Kinder, denen ich diese zauber­hafte Geschichte vorge­lesen habe, konnten die Spannung kaum aushalten. Die Aussage des Buches? „Glaub an Deinen Traum und lass ihn Dir von niemandem nehmen.“

Diese sehr warmherzige, humor­volle und unter­haltsame Geschichte wird sicherlich viele Freunde finden. Sie ist ein großer Spaß für Groß und Klein. Ein außer­ge­wöhn­liches Bilderbuch: Da passt einfach alles, die farben­frohen und detail­lierten Illus­tra­tionen ergänzen die humor- und liebe­volle Sprache.

Aus dem Franzö­si­schen übersetzt von Dieter Schöneborn