Dinge, die verschwinden

Details

Autor: Kim Fupz Aakeson

Illustrator: Stian Hole

Verlag: Hanser Verlag 2024

ISBN: 978–3‑446–27926‑1

empfohlen von: Christine Koch

in der Stadtbibliothek: Kinder- und Jugend­bi­bliothek im Motorama

zu finden im Interessenkreis: Bilderbuch / Mitein­ander leben

unter der Signatur: b HOL

Axel trauert. Sein bester Freund Bosse ist nicht mehr da. Er ist nach Australien gezogen, weil sein Vater dorthin versetzt wurde. Axel vermisst Bosse. Wie er aussah, wie er sich gab, was sie gemeinsam gemacht haben. Das Haus, in dem Bosse gewohnt hat, steht leer. Auf dem Schulweg kommt Axel dort immer wieder vorbei.

Axel denkt über Verlust nach, als er seinen Opa im Pflegeheim besucht. Opa vergisst viel und weiß Axels Namen nicht mehr. Opa hat viele Dinge verloren: Oma, seine Haare, sein Gedächtnis, sein Auto. Axel hat Bosse, seinen Hamster Kakao, seine Sport­tasche, seine Milch­zähne nicht mehr.

Die Mama nimmt Axel abends tröstend in den Arm, als sie ihm vorliest. Sie sprechen über Verlust. Auch Katrine, die Lehrerin, spürt, dass Axel traurig ist und ermuntert ihn, eine neue Freund­schaft zu knüpfen.

 Jeder geht mit dem Verlust anders um, muss Axel feststellen. Sein Papa bleibt stumm, als Axel fragt, ob er seine Eltern in Dänemark vermisst. Axel hat Angst, dass Bosse ihn vergisst, dass er ihm egal wird.

Eines Tages zieht in das leerste­hende Haus eine neue Familie ein. Und ein Junge steht am Fenster und schneidet Axel eine Grimasse. Dieser verzieht ebenfalls das Gesicht. Axel denkt an alles, was verschwunden ist und überlegt dann: „Vielleicht findet man ja auch etwas Neues.“

Mit den poeti­schen Worten des Ich-Erzählers wird die Trauer über den Verlust einer Freund­schaft geschildert. Das berührt zwar einer­seits ungemein, aber die in Worte gefassten Gedanken des Jungen regen ander­seits an, über verloren gegangene Dinge zu sprechen. Über die Emotionen zu sprechen, die Verluste auslösen und wie man damit umgeht. Ina Kronen­berger hat den Text kongenial aus dem Norwe­gi­schen ins Deutsche übertragen.

Der Illus­tra­ti­onsstil in Colla­ge­technik von Stian Hole ist ungewöhnlich und erinnert an Otto Dix. Mir gefallen vor allem die Perspektive der Bilder und die Details, die man darin entdecken kann. Zum Beispiel entdeckt man beim dritten Hinsehen auf dem Dach des Schul­hofes zwei verloren gegangene Fußbälle, als die Lehrerin mit Axel während der Pause spricht. Man kann sich an den Einzel­heiten nicht sattsehen. Die Illus­tra­tionen erweitern den Text. Ich empfehle das Buch zum Vorlesen, wenn man die Kinder gut kennt und sich viel Zeit zum Reden nehmen kann. Denn dann bin ich mir sicher, dass die Lektüre zu auf- und anregenden Gesprächen führt.

Ausge­zeichnet mit dem “Luchs des Monats” und “Die besten 7 Bücher für junge Leser” 2024.