
Details
Autor: Mathilde Stein
Illustrator: Piet Grobler
Verlag: Moritz Verlag 2025
ISBN: 978–3‑89565–490‑9
empfohlen von: Helga Jesberger-Fischer
in der Stadtbibliothek: Bogenhausen, Neuhausen, Schwabing, Sendling
zu finden im Interessenkreis: Kinder / A – Z
unter der Signatur: k STE
Der Leuchtturmbär lebt in einem Häuschen neben dem Leuchtturm, auf einer kleinen Insel. Obwohl die Insel winzig ist, hat der Leuchtturmbär nie Langeweile. Er schwimmt mit der Robbe Marius im Meer, surft auf den Wellen, sammelt Muscheln. Jeden Abend klettert er die vielen Turmstufen hinauf, um die Lampe anzuzünden. Denn ohne das Leuchtfeuer würden die Schiffe die Orientierung verlieren und an den Felsen zerschellen. Leuchtturmbär ist sehr zufrieden.
Alle paar Wochen kommt das Postschiff vorbei, bringt alles, was er braucht: Kekse, Buntstifte, Kaugummi und natürlich Streichhölzer, um das Licht anzuzünden. Der Kapitän bringt immer einen großen Packen Zeitungen, damit Leuchtturmbär lesen kann, was in der Welt passiert. Am liebsten liest er die Geschichten vom Abenteuerbär. Toll, was der alles erlebt! Er kämpft mit Schneemonstern, findet einen Schatz, besiegt Drachen und rettet eine Prinzessin. Leuchtturmbär findet das alles wahnsinnig spannend. Er träumt davon, eines Tages ebenso ein großer Held zu sein. Plötzlich kommt ihm seine Insel klein und öde vor. Er will nicht einmal mehr mit Marius spielen und sitzt nur noch in seinem Häuschen und lässt den Kopf hängen. Immer wieder liest er die an die Wand gehefteten Zeitungsausschnitte und träumt sich in die Ferne.
Eines Nachts peitscht ein Orkan das Meer auf. Aus den riesigen Wellen hört Leuchtturmbär Hilferufe. Leuchtturmbär überlegt nicht lange, springt in sein Boot und rudert los. Im Lichtstrahl des Leuchtturms erkennt er einen Schatten in den Wellen und rudert drauf zu. Fast wäre er selbst mit seinem kleinen Boot auf die Felsen geworfen worden. Doch im letzten Augenblick rettet ihn sein Freund Marius. Völlig erschöpft zieht Leuchtturmbär den Schiffbrüchigen an Land.
Am nächsten Morgen scheint die Sonne wieder. Nun sieht Leuchtturmbär, wen er gerettet hat. Er traut seinen Augen nicht: der Abenteuerbär! Sein großes Idol sitzt an seinem Tisch, isst seine Pfannkuchen und trinkt seinen Tee. “Hab ich etwa dich letzte Nacht aus dem Wasser gezogen?”, fragt er erstaunt. Der Abenteuerbär antwortet: “Das war nett von dir. Obwohl es natürlich nicht nötig gewesen wäre.” Der Leuchtturmbär denkt an die Hilferufe in der Nacht. Angeblich war das Ganze nur Übungsschwimmen, sagt der Abenteuerbär. Er möchte schnellstens wieder nach Hause, muss sich jedoch gedulden, denn das nächste Postschiff kommt erst in sechs Wochen. Selbstverständlich bietet ihm Leuchtturmbär sein Häuschen als Bleibe an.
Ein angenehmer Mitbewohner ist Abenteuerbär aber nicht. Er liegt faul im Bett, lässt sich von Leuchtturmbär bedienen und weigert sich, bei der Arbeit zu helfen. Wenn er nicht gerade schläft, erzählt er stundenlang von seinem großartigen Leben und seinen Heldentaten. Immer wieder die gleichen Geschichten. Alles, was der Leuchtturmbär seinem Gast vorschlägt, ist zu langweilig, zu öde oder zu unwichtig. Bis es dem Leuchtturmbär endgültig reicht. “Du mit deinen blöden Geschichten! Ich bin froh, dass das Postschiff bald kommt!”, schreit er.
Beleidigt verzieht sich Abenteuerbär in den Schuppen. Aber als der Gast verschwunden bleibt und nicht zum Abendessen erscheint, sehen Leuchtturmbär und Marius doch nach. Sie überraschen Abenteuerbär dabei, wie er eine seiner Geschichten schreibt. Bei genauerem Hinsehen merken sie: Nichts davon ist wahr! Kleinlaut gibt Abenteuerbär zu, dass er sich seine aufregenden Geschichten nur ausgedacht hat. Leuchtturmbär ist wütend, dass er den Lügen-Geschichtenschreiber sogar beneidet hat. Doch da legt das Postschiff an.
Als Leuchtturmbär und Marius dem Schiff nachwinken, sind sie doch etwas traurig. Vielleicht hätten sie ja Freunde werden können, nachdem die Wahrheit ans Licht gekommen war? Da hören sie seine Stimme hinter sich. Vorsichtig fragt Abenteuerbär, ob er bleiben darf. Seine Geschichten kann er auch hier schreiben und sie mit dem Postschiff an die Zeitungen schicken. Von nun an genießen die drei gemeinsam das große Glück, auf einer kleinen Insel zu leben.
Es steckt viel in dieser kleinen Geschichte: Nachdenken über Neid und Eifersucht, über die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, auch, dass hinter einem großen Maulhelden vielleicht doch nur ein kleiner Angeber steckt. Die Illustrationen sind sehr liebevoll, die Figuren sympathisch dargestellt. Zum Vorlesen ab sechs Jahren und zum ersten Lesen ab sieben Jahren.