Der Flunkerfunkelstein oder die Elster, die nicht stehlen wollte

Details

Autor: Kai Oppermann

Verlag: Knesebeck 2024

ISBN: 978–3‑95728–766‑3

empfohlen von: Helga Jesberger-Fischer

in der Stadtbibliothek: Noch nicht vorhanden

Elstern gehören zu unseren heimi­schen Vögeln und haben den Ruf “diebisch” zu sein. Das erklärt sich aus ihrer Eigenart, von glänzenden Gegen­ständen angezogen zu werden. Man sagt ihnen nach, diese Sachen zu stehlen und in ihre Nester zu bringen.

So macht es auch die Elster-Familie in diesem Buch. Sie sammeln funkelnde Schätze und haben schon eine ganze Menge davon in ihren Baumhöhlen versteckt. Alle Famili­en­mit­glieder gehen auf Raubzug, und das Familien-Motto heißt: “Eine Elster ohne Funkel­stein kann keine wahre Elster sein”. Doch die kleinste Elster in der Familie will sich so gar nicht an den Räube­reien betei­ligen. Sie trifft sich statt­dessen lieber mit ihren Freunden, dem Pirol und dem Rotkehlchen. Sie sitzen zusammen und erzählen sich Geschichten über Drachen und Gespenster, bis sie sich so richtig gruseln. Dann muss der Uhu die kleine Elster nach Hause begleiten, weil sie sich sonst im Dunkeln fürchtet. Die kleine Elster wäre zufrieden mit ihrem Leben, wenn da nicht immer wieder der Gedanke an ihr nagen würde, dass sie nicht richtig zu ihrer Familie gehört. Sie liebt ihre Eltern und Geschwister sehr, aber sich an ihrer Jagd nach funkelnden Schätzen zu betei­ligen, darin sieht sie keinen Sinn. Doch gefällt ihr das Gefühl nicht, keine “wahre” Elster zu sein.

Nach langem Grübeln hat sie eine Idee. In der Nacht fliegt sie los, um ihren Plan in die Tat umzusetzen. Als am nächsten Tag die Sonne aufgeht, präsen­tiert sie ihrer Familie und ihren Freunden ihren aller­ersten Schatz, einen hell funkelnden Edelstein. Der Pirol will auch gleich wissen, woher die kleine Elster diesen wunder­schönen Stein hat, etwa aus einer Drachen­höhle? “Deine Familie muss so stolz auf dich sein”, sagt er, und nennt sie eine Meiser­diebin. Das sagt auch das Rotkehlchen und fragt, ob der Stein vielleicht sogar aus einem geheimen Geister­schatz kommt. Auch das Rotkehlchen nennt die kleine Elster eine Meister­diebin und fügt hinzu, dass ihre Familie sicher sehr stolz auf sie ist. Das findet auch der Uhu und fragt, ob sie den Stein etwa vom hellsten Stern am Nacht­himmel gepflückt hat. Bald rätseln alle Tiere des Waldes, woher der prächtige Funkel­stein wohl kommen mag. Alle halten die kleine Elster für eine Meisterdiebin.

Da platzt der kleinen Elster der Kragen. “Ich bin keine Meister­diebin!”, schreit sie und weint ganz verzweifelt. Dann nimmt sie all ihren Mut zusammen und klärt ihr Geheimnis auf. Sie hat den Stein aus der Schatz­kammer der Elster-Familie gestohlen. Sie wollte doch endlich auch richtig zur Familie gehören und eine “wahre Elster” sein. Da nimmt Mama Elster sie unter ihre Flügel und drückt sie an sich, um sie zu trösten. Papa sagt ihr, dass ihm kein Schatz auf der Erde so wertvoll sei wie sie. Auch die Geschwister wollen sie beruhigen und bewundern sie für ihren Mut. Denn wer sich traut, etwas aus dem Famili­en­schatz zu stehlen, der muss doch eine Meister­diebin sein.

Eine herzer­wär­mende Geschichte für Kinder in Kinder­garten und Grund­schule. Es geht um das Anderssein, um Erwar­tungs­hal­tungen in der Familie und in der Gemein­schaft, und um den Mut, zu sich selbst zu stehen.