Das Mauerschweinchen

Details

Autor: Katja Ludwig

Illustrator: Uwe Heidschötter

Verlag: cbj 2019

ISBN: 978–3‑570–17599‑6

empfohlen von: Annegret Hillinger

in der Stadtbibliothek: Allach-Unter­menzing, Isarvor­stadt, Neuperlach, Pasing, Kinder- und Jugend­bi­bliothek am Gasteig

zu finden im Interessenkreis: Kinder A‑Z

unter der Signatur: u LUD

Es war einmal ein Land, dass von Nord nach Süd durch eine fast undurch­lässige und stark bewachte Grenze in Ost und West geteilt war, obwohl in beiden Teilen Menschen der gleichen Volks­zu­ge­hö­rigkeit, ja sogar der gleichen Familien lebten. Eine wichtige große Stadt, die ehemalige Haupt­stadt dieses Landes, war sogar durch eine Mauer, gegen die “die Dornen­hecke um Dornrös­chens Schloss ein Blumen­strauß war”, in zwei Teile geteilt. Die Menschen, selbst wenn sie in der gleichen Straße dieser Stadt wohnten, trafen sich nie, ja sie wussten nicht einmal, wer auf der anderen Seite dieser Mauer wohnte. Sogar Verwandte diesseits und jenseits der Mauer konnten sich nicht besuchen, es sei denn, sie waren schon im Renten­alter. Nicht nur für unsere aktuellen Lesefuchs­kinder, sondern auch für so manchen jungen Menschen mag das durchaus wie ein Märchen klingen, denn diese Mauer und die durch das Land verlau­fende Grenze fielen genau vor 30 Jahren im Jahr 1989. Grund genug, dieses Ereignis auch Lesefuchs­kindern nahezu­bringen, zumal der Bayerische Lehrplan auch für Grund­schulen der politi­schen Bildung eine besondere Bedeutung zumisst.

Wie war das Leben damals in dem geteilten Land? Über die damalige Zeit in Ost und West erfahren Kinder einiges aus diesem Wendebuch mit dem treffenden Titel “Mauer­schweinchen”.

Wendebuch? Ja, es gibt nämlich zwei Geschichten von zwei Kindern, die in der gleichen Straße wohnen, die aber durch die Mauer geteilt ist. Einmal die Geschichte des Mädchens Nora, das im westlichen Teil der Straße lebt, und wendet man das Buch, liest man es sozusagen von rückwärts, erfährt man die Geschichte von Aron, der im östlichen Teil der Straße bei seiner Oma wohnt. Auch Vorder- und Rückseite – oder ist es Rück- und Vorder­seite? – des Wende­buchs sehen gleich aus. Aber schaut man genau hin, können auch die Kinder sicher erkennen, welche Seite die Mauer von Osten und welche Seite des Einbands die Mauer von Westen aus gesehen zeigt.

Doch was soll nun ein Mauer­schweinchen sein? Das ist, wenn man so will, ein “gewen­detes” Meerschweinchen namens Bommel. Bommel ist nämlich einsam zurück­ge­blieben, als seine Familie in den Westen ausreisen konnte. Aron rettet ihn davor, als Delika­tesse in der Pfanne einer Nachbarin zu enden. Aron, der mal Flugkon­strukteur werden möchte, bastelt aus einer “Westplas­tetüte”, auf der auch noch Coca-Cola steht, einen Gleit­schirm für Bommel. Und dann fliegt Bommel über die Mauer in den Westen! Bommel landet  – welch Wunder – genau dort, wo Nora gerade mit ihren Eltern und Freun­dinnen nach Hause geht. Nora, die sich schon lange nichts sehnlicher wünscht als ein Meerschweinchen, kann es gar nicht fassen. Und ausge­rechnet ihr Vater, der samt ihrer Mutter so sehr gegen ein Tier im Haus ist, muss Bommel aus dem Baum retten. Doch gegen dieses Geschenk des Himmels, der ja immer noch grenzenlos ist, geben sie sich geschlagen und Nora – überglücklich –  darf Bommel behalten. Liest man den Namen Nora rückwärts, hat man Aron, der dem Meerschweinchen Name und Adresse auf einem Stückchen Butter­brot­papier mitge­geben hat. Trotz des Themas “Kalter Krieg” ist das Buch auch lustig und manchmal richtig komisch, auf keinen Fall langweilig.

Gut finde ich auch, dass in beiden Buchde­ckeln eine kurze Beschreibung der geschicht­lichen Situation abgedruckt ist.

Zu dem Thema “30 Jahre Mauerfall”  empfehle ich noch das Buch von Franziska Gehm “Hüben­drüben – Als deine Eltern noch klein und Deutschland noch zwei waren” (ab 7 Jahre)!