Das goldene Zeitalter - Die Metamorphosen des Ovid

Details

Autor: Heinz Janisch

Illustrator: Ana Sender

Verlag: Nord Süd Verlag 2022

ISBN: 9783314106149

empfohlen von: Helga Jesberger-Fischer

in der Stadtbibliothek: Bogen­hausen, Giesing und im Motorama 

zu finden im Interessenkreis: Kinder / Sagen Fabeln 

unter der Signatur: v JAN

Auch zwei Jahrtau­sende nach ihrer Entstehung haben die “Metamor­phosen” des römischen Dichters Ovid nichts von ihrer Faszi­nation verloren. Zu allen Zeiten haben sich Literaten und bildende Künstler in ihren Werken auf sie bezogen. Nun hat der Autor Heinz Janisch eine Auswahl der schönsten Geschichten zusam­men­ge­stellt und für Kinder nacher­zählt. Es geht um Wandlungen und Verwand­lungen, einmal als Strafe von den Göttern verhängt, wenn sich die Menschen ungebührlich verhalten haben, manchmal aber auch als letzte Rettung vor Unheil. Es geht um die Mythen griechi­scher und römischer Götter, um ihre Bezie­hungen unter­ein­ander und zu den Menschen.

In den 17 Geschichten begegnen uns viele Gestalten, die auch heute noch in Literatur und Kunst gegen­wärtig sind: Es beginnt mit der Entstehung der Welt, dem “Anfang vom Anfang” und mit den ersten Menschen. Danach verwandelt Gott Jupiter erneut die Schöpfung und bestimmt die Jahres­zeiten mit all ihren Naturerscheinungen.

Kaum waren die Menschen entstanden, kam es auch schon zu Zerwürf­nissen mit den Göttern, die daraufhin eine große Flut schickten. Danach noch einmal alles auf Anfang. Deucalion und Pyrrha gründen mit Hilfe von Mutter Erde die Menschheit neu.

Die Nymphe Daphne verwandelt sich in einen Lorbeerbaum, um dem aufdring­lichen jungen Apollo zu entkommen.

Pan spielt auf seiner Flöte um sich mit der in ein Schilfrohr verwan­delte Syrinx weiterhin unter­halten zu können.

Selbst Jupiter, der Gott der Götter, muss erst eine Verwandlung durch­laufen, um die schöne Europa zu erobern.

Der schöne Narziss verwandelt sich durch seine Eigen­liebe nach und nach zuerst in eine schwache, kraftlose Gestalt, um dann zumindest als anmutige Narzisse zu enden.

Arachne, die die Kunst beherrscht, die feinsten Stoffe zu weben, legt sich mit der Göttin Minerva an und fordert sie zum Wettkampf heraus. Doch als sie in ihrer Eitelkeit die Göttin verhöhnt, wird sie in eine Spinne verwandelt.

In der anrüh­renden Geschichte von Daedalus und Ikarus gelingt deren Verwandlung zu fliegenden Vögeln zwar, geht aber leider nicht gut aus.

Philemon und Baucis, das liebende Ehepaar, wird als Belohnung für seine Gastfreund­schaft und Freund­lichkeit von den Göttern in zwei sich umschlin­gende Bäume verwandelt, so dass sie für alle Zeiten beiein­an­der­bleiben können.

König Midas wünscht sich, dass alles, was er anfasst, in Gold verwandelt. Nun muss er befürchten, dass er verhungern und verdursten muss, da auch die Speisen sich vergolden. Gerade noch recht­zeitig kommt er zur Vernunft und wird von den Göttern gerettet.

Und weiter geht es mit den lykischen Bauern, die von der Göttin Lakona in Frösche verwandelt werden, weil sie sich weigern, die Göttin und ihre Kinder aus ihrem See trinken zu lassen. Mit Ariadne und Theseus, die mit dem berühmten roten Faden den verwan­delten Minotaurus besiegen und aus dem Labyrinth wieder heraus­finden. Mit König Picus, der die Göttin Circe durch seine Zurück­weisung so erzürnt, dass sie ihn in einen Buntspecht verwandelt. Und am Ende die Göttin Fama, die in ihrem Haus alles hören kann, was in der Welt vor sich geht.

Es kann keine leichte Aufgabe gewesen sein, die alten latei­ni­schen Verse in eine kindge­rechte und zum Vorlesen geeignete Sprache zu übertragen. Das Ergebnis liest sich wie ein modernes Märchen mit leichtem Ton. Das wird Jung und Alt Vergnügen bereiten. Die wunder­vollen und anspre­chenden Zeich­nungen von Ana Sender machen dieses Vergnügen noch größer.

Sehr sinnvoll ist die im Anhang vom Autor beigegebene Einordnung von Ovids Texten und die kleine Biografie Ovids. Das Namens­ver­zeichnis der im Buch enthal­tenen Götter und Nicht-Götter ist ebenfalls hilfreich.

Zum Vorlesen für Kinder meiner Erfahrung nach erst ab acht Jahren geeignet.