Vorlesen hat Pause

Update, Dienstag, 17. März: Wir werden auch die für den 3. April geplante Altstadtführung auf unbestimmte Zeit verschieben. Die Situation hat sich gravierend verschlechtert. Bis heute Mittag sind allein in der Landeshauptstadt  359 Corona-Fälle bestätigt. Deswegen gibt es keine Ausnahmen mehr. Auch unser Büro in der Blutenburgstraße wird bis auf weiteres geschlossen. Unsere Mitarbeiterinnen sind per E-Mail unter info@lesefuechse.org zu erreichen.

Update, Freitag, 13. März: Vom kommenden Montag an werden flächendeckend alle Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen bis zum Ende der Osterferien geschlossen. Das wurde heute von der bayerischen Staatsregierung bekannt gegeben.

München 12. März 2020/ Die Ansteckung durch den Coronavirus macht auch vor den Lesefüchsen nicht halt. Deshalb muss der Verein zu drastischen Maßnahmen greifen. Solange die Gefahr besteht, dass sich unsere Vorleserinnen und Vorleser in Bibliotheken oder Schulen mit dem aggressiven Virus anstecken, werden wir keine Lesestunden mehr durchführen. Insbesondere, weil ältere Menschen besonders gefährdet sind und weil bei ihnen eine Ansteckung sehr dramatisch verlaufen kann. Der Vorstand der Lesefüchse hat sich daher am Donnerstag, 12. März, entschlossen, alle Vorlesestunden abzusagen und andere Aktivitäten des Vereins einzuschränken. Betroffen sind ausnahmslos alle Termine in Schulen und Bibliotheken, also auch die Leseförderung.

Das Verbot der bayerischen Staatsregierung für Großveranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmer trifft zwar auf uns nicht zu. Aber wir folgen den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, neben den besonderen, individuellen Hygienemaßnahmen generell die täglichen sozialen Kontakte auf das Nötigste zu beschränken. Die Entwicklung in Italien hat uns vor Augen geführt, wie schnell sich eine Lage verschärfen kann.

Zu den Bibliotheken kommen Kinder unangemeldet. Das Virus kann sich verbreiten, ohne dass sich bei einem Infizierten bereits Krankheitssymptome zeigen. Es ist also nicht nachvollziehbar, ob die Kinder möglicherweise jemanden anstecken können oder nicht. Stand Donnerstag, 18 Uhr, sind in München bereits fünf Grundschulen geschlossen. Keine davon ist eine Lesefuchsschule. Aber wir hatten auch schon den Fall, dass ein Mädchen einer Schulgruppe in Quarantäne geschickt wurde, weil es mit den Eltern beim Skifahren in Südtirol war. Die Schule hatte das allerdings erfahren, nachdem es bereits eine Woche am Unterricht und an der Lesefuchsstunde teilgenommen hatte!

Stefan Inderst, 1. Vorsitzender, sieht den Verein der Lesefüchse in der Verantwortung: "Wir werden unsere Aktiven auf gar keinen Fall auch nur dem kleinsten Risiko bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit aussetzen. Daher haben wir uns einstimmig entschlossen, das Vorlesen und die Leseförderung vorerst bis zum 17. April, dem Ende der Osterferien, auszusetzen." Die Stadtbibliothek München hat heute parallel aus dem gleichen Grund alle Veranstaltungen abgesagt. Alle Stadtbibliotheken sind geschlossen. Und auch das Verkehrszentrum, wo die Lesefüchse am Sonntag, 19. April ihre Bücher aufschlagen wollten, hat abgesagt. Und im Stadtmuseum endete die Bücherschau junior, wo die Lesefüchse ihren zweiten Termin auf der Bücherschau am kommenden Sonntag halten wollten, wegen der fortschreitenden Corona-Ausbreitung bereits am heutigen Donnerstag.

Das bedeutet außerdem, dass die für kommenden Montag geplante Mitgliederversammlung auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Inderst: "Natürlich haben wir unseren Mitgliedern einiges zu berichten und zu besprechen. Aber das können wir wirklich auch zu einem besseren Zeitpunkt machen."

Ebenso müssen wir unsere Lesungen mit dem Polizeipräsidium München einschränken. Bis zu den Ferien sind eigentlich 15 gemeinsame Termine geplant. Dabei werden die Lesefüchse als Begleitung wegfallen. Wie es mit den späteren Terminen im April und Mai weitergehen wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Ein wesentlich geringeres Gefahrenpotential dürfte die Altstadtführung am 3. April unter freiem Himmel und die Seminare "Lebendig vorlesen" mitbringen. Hier sind nur wenige Personen vor Ort und es kommt niemand unangemeldet. Allerdings muss sich jeder Teilnehmer selbstkritisch fragen, ob er Erkältungssymptome zeigt oder ob er sich vor kurzem in einem der bekannten Risikogebiete, insbesondere Italien, aufgehalten hat.

(hpm)

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